Grasser Slam am 18.1.2017

Auch wenn der angestammte Moderator Damiano DiMuro dieses Mal wegen eines Praktikums in Irland nicht live anwesend sein konnte, fand der 24. Grasser Slam wieder wie gewohnt im Literatur Café statt. Davud Pivac hatte als Co-Moderator den „Vater des Grasser Slams“, Bert Uschner, der mit seinem Vortrag „Vom Wesen der Besen“ auch als „Opferlamm“ fungierte, einen würdigen Vertreter an seiner Seite. Bert hatte einen sehr kreativen, witzigen Text über das eher triste Haushaltsgerät verfasst, der viele Anspielungen auf seine Arbeit als Mathelehrer und den „Zauberlehrling“ von Goethe beinhaltete. Ein fulminanter Start in diesen Abend!

Poetry Slam 18.01.17 Bert Uschner




Der Special Guest kam aus Schwabach, nämlich der Lehrer für Deutsch und Französisch Thomas Schmidt, der schon seit einigen Jahren als Poetry Slamer auftritt und dem zahlreich erschienenen Publikum seinen Text über „Trendy teach – Tipps für Checker“ vortrug.
Poetry Slam 18.01.17 Thomas Schmidt

Die Zuhörer genossen den wunderbar imitierten Dialog zweier Schüler zu Beginn der Pause:

Schüler 1: „Hey, sag mal Alter, gehst Du Päckchen?“ Schüler 2: „Fick Dich!“, Schüler 1: „Apfel!“ – ja für uns Lehrer mag das kryptisch klingen, aber ist wohl die heutige Art, um einen anderen Schüler zu bitten, ihm einen Tetrapack Apfelsaft mitzubringen.


Auch sein zweiter Text über Ahmed aus Syrien, der Deutsch lernen soll, schlug bei den Anwesenden ein, - vor allem, als Thomas Schmidt mit diversen Dialekteinlagen darlegte, dass die „geheime Sprachschutzpolizei“ oder die „Grammatik-Nazis“ in Bayern doch ganz schön viel Arbeit hat, man nehme nur den Dialekt in Cham oder Aschaffenburg, - oder die Politiker aus dem Landtag in München.

Nach dem Gast aus Franken trat Nuria Glasauer auf, die schon zweimal im Jahr 2016 im Bereich der U20 den 1. Platz beim Grasser Slam gemacht hatte und heute ihren Text „Nein, ich bin nicht fremdenfeindlich“ zum Besten gab. Ihre diversen Reptilienmutanten aus dem Text waberten durch den Saal und übrig blieb sie, „die böse Reptilienmutantin“. Viel Applaus für die junge Poetin.

Als „Alte Säckin“ kam danach Lolo aus Regensburg auf die Bühne und präsentierte ihren Slam „Orangenblüten oder die Traummischerin oder warum wir keine Märchen lesen sollten“, - ein wunderbar feinfühliger Text über die kleine Leila, die träumt und in ihren Träumen Schreie hört und von Männern gejagt wird, an deren Ohren Bombeneinschläge und Gewehrsalven dringen und die dann doch wieder die „Orangenblüten“ wahrnimmt, denn diese „sind der Duft von Leben“, von Freiheit und Frieden. „Die Traummischerin rackert sich ab“, damit ein „Funken Glück“ entsteht, damit die Orangenblüten „ein kleines bisschen Hoffnung geben“, aber vergebens, denn Leila liegt am Ende inmitten der Flammen, ihre Eltern und ihre Bekannten sind gestorben in den Bombardements des Krieges. Ein ausgezeichneter Text, der von den Juroren mit 27,1 Punkten bewertet wird. Lolo wird am Ende des Abends auch den Preis der „Alten Säcke“ mit nach Hause nehmen können, - verdient!

Als nächster Kandidat wurde Davud Pivac ausgelost, der den Text „Der Tag, an dem die Erde nicht still stand“ geschrieben hatte. Seine Zeilen sprachen von einem Amokläufer in der Schule, - ein grausames Szenario, das alle Anwesenden schmerzvoll an die Amokläufe in den USA und Deutschland erinnerte. Davud bezeichnete diesen Text als künstlerische Rezeption der Geschehnisse, bei mir als Lehrerin evozierte er Szenen, die ich niemals erleben möchte. Das Votum für die Darbietung war hoch, denn der Text war ausgezeichnet formuliert und vorgetragen.
Poetry Slam 18.01.17 Davud Pivac


Mit ihrem Text „Fleischbeschauung – das Tinder-Experiment“ trat danach CarolinA auf, die schon öfters auf der Grasser- Bühne gestanden hatte, aber heute als „Alte Säckin“. Sie beschrieb Tinder als neue Sportart, bei der es gilt, „seinen Samen möglichst erfolgreich zu verbreiten“. Schon nach kurzer Zeit, so erzählte sie, begann sie das Spiel zu langweilen, denn „so schön sie auch sind, so blöd sind sie“, - die Jungs natürlich, denn „sie sind nur ein Spielzeug“ für sie und sie ist „nur ein Stück Fleisch“. Ihr Fazit lautete: „Ich liebe lieber analog“! Ein cooler Text, den CarolinA sehr glaubwürdig und temperamentvoll vortrug.

Als nächster Slamer war Marko Jovanovic aus dem Gisela-Gymnasium zu uns ans Grasser gekommen, der mit seinem Text „Nicht wegwischen oder warum ich keine blauen Augen habe“ sein Debüt auf der Bühne des Literaturcafés gab. Sein melancholischer Text über eine geliebte Person, die verschwindet, und die ihn zu einem „vom Leben Geknebelten“ macht, kam beim Publikum sehr gut an.

Vor der Pause trat noch der Rekordsieger der Grasser Slams, Julius Althoetmar, auf, der zu den diesjährigen Bayrischen Meisterschaften reisen wird. Er hatte die Absicht gehabt, einen biographischen Text zu verfassen, aber nach zwei Minuten ging dem 2000 geborenen Gymnasiasten offensichtlich der Stoff aus und er beschrieb stattdessen seine blühende Zukunft als in die USA Ausgewanderter, der Rheumadecken verkauft und damit ein Vermögen macht, um danach in die Pharmabranche einzusteigen und 2056 gegen Justin Bieber den Wahlkampf zum 55.Präsident zu gewinnen. Vor allem die Episode mit seinem jüngeren Bruder, der ihm ständig auf das Hemd oder „den Grabstein kotzt“, um ja immer das letzte Wort zu haben, brachte die begeisterten Zuhörer zum Lachen.

Leider musste ich danach die Veranstaltung verlassen, eine andere Verpflichtung war dazwischen gekommen, aber so viel sei gesagt, Stef, der nach Bochum „ausgewanderte“ Stamm-Slamer des EGG, gewann neben Lolo und Damiano klinkte sich per Handypräsentation in den Abend ein.

Ein Dankeschön dem P-Seminar für die reibungslose Organisation und Bert für das immer wieder erfrischende Spektakel des Grasser Slams!



Text und Photos: Suse Fritzenschaft