Generation Smombie

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Am 02.März 2017 ereignete sich in München ein tödlicher Trambahnunfall. Eine 15-Jährige hatte die heranfahrende Tram nicht gehört, da sie Kopfhörer trug und laut Musik hörte. Den tragischen Unfall nahmen Jugendbeamte der Polizei in Kooperation mit den Stadtwerken zum Anlass, Jugendlichen theoretisch und praktisch vor Augen zu führen, wie gefährlich es ist, im Straßenverkehr durch Handy und Kopfhörer abgelenkt zu sein. „Das ist eine Premiere“, sagte Daniel Zschiesche, Jugendbeamter bei der Polizeiinspektion Laim.


Das Phänomen des „Smombies“ werde im Straßenverkehr, vor allem bei Fußgängern, immer mehr zum Problem. Smombie steht für Smartphone-Zombie und will sagen, dass jemand nur noch auf sein Handy starrt und von seiner Umgebung nichts mehr mitbekommt. „Viele gehen aus der Schule raus, und der erste Blick geht aufs Handy“, berichtete Zschiesche von seinen Beobachtungen. „Aber macht Euch klar: Das Unscharfe um Euer Handy herum ist das wahre Leben“.

Die Beamten hatten die Schüler der 10ü des Erasmus-Grasser-Gymnasiums auf Vermittlung der Schulpsychologin des EGG, Gabriela Großmann-Adams, zusammen mit ihrem Lehrer Nic Sieber auf den Betriebshof der Stadtwerke in der Einsteinstraße geladen. „Stellt Euch mit dem Rücken zur Tram und hört mit Kopfhörern Musik – und wenn Ihr das Gefahrenklingeln hört, hebt die Hand“, gab Bernhard Robl, Chef der Fahrschule bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), den Schülern als Aufgabe. Mit 15 Kilometern pro Stunde näherte sich die Tram – in der ein Teil der Schüler saß – den Jugendlichen. Der Straßenbahnfahrer klingelte laut. Immer wieder. Machte eine Gefahrenbremsung. Doch keiner der Schüler rührte sich. Vereinzelt hoben sie die Hände. Erst, als die Tram direkt hinter ihnen zum Stehen kam, bemerkten die 17-Jährigen das Fahrzeug. „Mit der Musik im Ohr habe ich das Klingeln gar nicht mitbekommen“, sagte der Schüler Gabriel. Ein Problem für Straßenbahnfahrer ist laut Robl auch, dass eine Tram einen dreimal so langen Bremsweg hat wie Busse oder Autos. Eine Trambahn, die 50 Stundenkilometer fährt, steht erst nach 43 Metern. Selbst, wenn sie einen Menschen im Gleis sehen, können die Fahrer nicht sofort anhalten. Ein Auto hat nur 14 Meter Bremsweg. „Diese Tatsache wurde den Schülerinnen und Schülern in einer Graphik in einer ansprechenden Powerpoint-Präsentation vermittelt“, wie die Schülerin Laura erklärte.

Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler der 10ü zeigen, dass diese Art der Vermittlung von Ablenkung im Straßenverkehr sehr sinnvoll ist:

Mendrit meinte: „Ich fand es sehr interessant, denn heute wurden uns die Gefahren im öffentlichen Verkehr von der MVG genau geschildert. Seitdem bin ich beim Überqueren der Straße, während ich Kopfhörer auf den Ohren habe, vorsichtiger.“ Sisann fügte hinzu: „Durch das Training wurde ich erst darauf aufmerksam, dass durch einen tödlichen Unfall im Straßenverkehr nicht nur die Familienangehörigen und Freunde betroffen sind, sondern auch Ersthelfer, Polizisten und natürlich der Trambahnfahrer.“ Supitsana fand, dass es sehr hilfreich war, praktische Erfahrungen mit diesem Thema zu machen, denn „als Passagier eine Vollbremsung zu erleben, das hat mich zum Nachdenken angeregt“, sagte die Gymnasiastin. Samara war auch der Meinung, dass es gut war, dass die Polizisten erklärt haben, welche Gesetze im Straßenverkehr zu beachten sind. Ivo ergänzte ihre Aussage: „Besonders interessant fand ich die Aufklärung über die Gesetzesgrundlage des Alkohols im Straßenverkehr, d.h., die verschiedenen Promillegrenzen zu erfahren, mit denen man noch Fahrrad oder Auto fahren darf und wie sich diese mit dem fortschreitenden Alter verändern. Auch fand ich es gut zu hören, in welchem Rahmen man Hoverboards und Monowheels nutzen darf.“ Und Antonia fand die Abschlussworte: „Der praktische Teil, der der Theorie folgt, hat mir besonders gut gefallen, da dies, meiner Meinung nach, die effektivste Darstellung ist, Schülern so etwas näher zu bringen. Seit dieser Erfahrung achte ich mehr auf mein Verhalten im Straßenverkehr.“

München-TV war vor Ort und hat über den Besuch der 10ü einen kurzen Clip gedreht, der unter dem nachfolgenden Link abrufbar ist: Generation Smombie


Text: Suse Fritzenschaft/ 10ü

Photos: Nic Sieber