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Chemie-Olympiade

Chemie – viele Leute mögen womöglich als Erstes an einen verrückten Wissenschaftler denken, der in Reagenzgläser guckt. Doch Chemie ist noch viel mehr:

Ohne Chemie wären unsere Lebensstandards weitaus tiefer; selbst die Platinen, die in eigentlich jedem elektronischen Gerät stecken (ja, liebe Schüler, auch in euren Smartphones!), würde es nicht geben können. Ohne Chemie hätten andererseits aber auch keine Organismen, ganz zu schweigen von Menschen, entstehen können: So ist Wasser nur wegen eines kleinen Knicks in seiner Raumstruktur und daraus entstehender Ladungsschwerpunkte im Molekül, die sich wie ein Magnet anziehen können, überhaupt erst flüssig und nicht gasförmig. Das ist nur ein Beispiel von vielen, wie sie uns ständig im Alltag, oft unbemerkt, begleiten. Um diese Phänomene zu verstehen, wird deshalb hier am EGG ab der achten Klasse Chemie auch als Schulfach unterrichtet. Und wie es so ist, sticht auch der ein oder andere Schüler mal besonders hervor: Um solche Talente zu fördern wurde die Internationale Chemieolympiade – kurz: IChO – ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um einen jährlich stattfindenden Wettbewerb mit mehreren Auswahlrunden (siehe Grafik), der auch in anderen Fächern wie z.B. in Biologie, ausgetragen wird. Hier können sich Schülerinnen und Schüler bei der Bearbeitung anfänglich theoretischer und später auch experimenteller Aufgaben aus allen möglichen Bereichen der Chemie miteinander messen. Mit fortschreitendem Erfolg erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wertvollere Preise, ganz abgesehen von der allgemeinen Anerkennung, die später bei Bewerbungen für Stipendien oder Studienplätze sogar eine Art Freifahrtsschein bedeuten können. Der Wettbewerb gipfelt darin, dass Deutschland nebst allen möglichen anderen Ländern die vier besten Teilnehmer zur Finalrunde sendet, die stets an einem anderen Ort der Welt stattfindet. Diese vier Teilnehmer werden zudem ohne Umwege in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen – eine der höchsten Auszeichnungen für den intellektuellen Nachwuchs von Deutschland.

Auch wir, Simon Cyrani (Q12) und Timo Elbel (10. Klasse) konnten dieses Jahr große Erfolge in der zweiten Runde verzeichnen: So wurde Timo nicht nur der Zehntbeste bayernweit, sondern auch der beste Zehntklässler in Bayern, während Simon, der bereits zum zweiten Mal teilnahm, diesmal der fünftbeste in Bayern wurde und mit seiner nationalen Platzierung auf Rang 24 sogar an der dritten Runde teilnehmen wird.

Als Belohnung dafür, in der zweiten Runde unter den Top 30 in Bayern zu sein, wurden wir zu einem viertägigen Landessiegerseminar nach Burghausen eingeladen. Neben Führungen durch den naheliegenden Chemiepark Gendorf mit Schwerpunkt auf der großtechnischen Produktion von Chlor und daraus wiederum PVC aus normalem Salz (!) als Hauptausgangsstoff durften wir auch selbst praktisch arbeiten: Während wir am einen Tag Paracetamol im Labor synthetisieren durften, haben wir an einem anderen eigenes Duschgel mithilfe von den Anlagen hergestellt, die normalerweise den Auszubildenden dazu dienen, den Umgang mit den großen Geschützen zu erlernen. Natürlich ging es aber auch mal entspannter zu: Die dort ansässige Firma Vinnolit, die als einer der Sponsoren des Seminars fungiert, sorgte für die abendliche Verköstigung. Das Highlight gab es hierbei direkt am ersten Abend, als alle in ein Edelrestaurant eingeladen wurden, in dem jeder freie Wahl hatte. Abgesehen davon bekamen wir am letzten Abend VIP-Plätze für den ebenfalls dort stattfindenden ScienceSlam. Ähnlich zu unserem schulinternen GrasserSlam handelt es sich hierbei um eine Art des Poetry Slam. Das heißt, verschiedene Vortragende nehmen sich im Voraus ein für sie interessantes Thema und gestalten dazu einen lustigen, nachdenklichen, spannenden oder anderweitig kreativen Text, den sie am Tag des eigentlichen Slams vortragen – wie das geschieht, ist den betroffenen Leuten dabei grundsätzlich frei überlassen. Beim ScienceSlam gab es die Besonderheit, dass es sich um ein wissenschaftliches Thema (im Normalfall das Forschungsgebiet des Vortragenden) handeln sollte, das dem Publikum schmackhaft gemacht werden sollte und bestenfalls auch nachträglich noch anhaltendes Interesse bei den Zuhörern weckt. Tatsächlich war auf dem Slam auch ein breites, wissenschaftliches Spektrum vertreten: So haben wir gelernt, wie elektrostatisch aufgeladene Katzen als Feinstaubfilter dienen können, oder wieso man das Tinder-Profil einer Alge nicht ablehnen sollte. Unter dem Strich ist das Seminar auf jeden Fall eine großzügige Entlohnung für unsere Mühen gewesen, und während Timo sich bereits auf die nächste Runde im neuen Jahr freut und sich schon auf ein ähnliches Seminar freuen kann, geht es für Simon wie bereits angesprochen dieses Jahr noch für eine Woche nach Göttingen zur dritten Runde: Dort werden mithilfe von zwei theoretischen Klausuren die national fünfzehn Besten ermittelt, die dann in der Auswahlrunde für das internationale Team teilnehmen dürfen. Abgesehen davon wird es ein umfassendes Rahmenprogramm und viele Fachvorträge geben.

Abschließend möchten wir uns noch für Herr Wilds großartiges Engagement bei der Vorbereitung auf die einzelnen Runden bedanken. Er nahm sich stets die Zeit, die relevanten Themen, die so nicht in der Schule vertreten sind, mit uns persönlich durchzuarbeiten. Ohne ihn wären wir wahrscheinlich niemals so weit gekommen! Sollten wir euer Interesse geweckt haben, auch einmal teilzunehmen, könnt ihr euch sehr gerne bei ihm melden!

Timo Elbel und Simon Cyrani